Quality in caregiving

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Stellungnahme des Trägers

"3G"-Maßnahmen in Kitas: Politik ohne Evidenz und ohne Logik

Wie Sie mitbekommen haben, sind wir seit einigen Wochen gezwungen, in unseren Räumlichkeiten die „3G“-Regel anzuwenden bei Aufenthalten von Eltern, die über das bloße Bringen und Abholen von Kindern hinausgehen. Davon betroffen sind insbesondere die Veranstaltungen unserer Familienzentren, aber auch Elternabende sowie die Begleitung von Kindern durch ihre Eltern im Rahmen der Eingewöhnung.

Diese Regelungen entbehren aus Sicht der rainbowtrekkers jeder wissenschaftlichen Evidenz. Sie sind auch kein Beitrag zum Hygieneschutz in Kindertagesstätten. Ihr einziger Zweck ist aus unserer Sicht politisch und besteht darin, den Druck auf Ungeimpfte zu erhöhen. Die 3G-Regeln werden in den Häusern unseres Trägers zwar seit kurzem implementiert – aber nur, weil es nach anwaltlicher Beratung keinen rechtssicheren Weg gibt, dieses nicht zu tun.

Wir lassen uns nicht spalten! (Foto: istockphoto.com)

Die Implementierung von „3G“ im Kitabereich ist keine evidenzbasierte Maßnahme, denn seit langem ist bekannt, dass Kitas keine Hotspots der Pandemie sind. Uns ist kein einziger Fall aus unseren Einrichtungen oder aus den Kitas anderer Träger bekannt, in dem durch nichtgetestete Eltern ein Superspreading-Event z.B. auf einem Elternabend oder während der Eingewöhnung ausgelöst worden wäre, welches Grundrechtseinschränkungen eines solchen Ausmaßes wie jetzt durch 3G rechtfertigen würde. Der kausale Nachweis, dass in den Altenheimen nur ein Corona-Kranker weniger stirbt, wenn in den Kitas „3G“ gilt, muss von daher erst noch erbracht werden.

Vielmehr ist es so, dass die seit Beginn der Pandemie von den Trägern landesweit entwickelten Hygienekonzepte in den Kitas gut funktioniert haben und größere Ausbruchsgeschehen – auch der Delta-Variante – nachhaltig verhindern konnten. Unter logischen Gesichtspunkten gibt es also keinen Grund für eine Verschärfung der bestehenden Maßnahmen durch „3G“ – insbesondere weil nicht zuletzt durch Studien aus Israel bekannt ist, dass auch geimpfte Personen weiterhin andere Menschen mit dem Virus Sars-Cov-2 anstecken können und dass die Virenlast bei geimpften Personen, die das Sars-Cov-2 Virus in sich tragen, sogar um ein Vielfaches über der von ungeimpften Personen liegen kann.

Weil weder Evidenz noch Logik als Begründung für die „3G“-Maßnahmen taugen, können wir nur von einer politischen Motivation ausgehen. Gemäß der seit kurzem geltenden revidierten „Corona-Betreuungsverordnung NRW“ müssen wir als Kitaträger Eltern von der Teilnahme an unseren Angeboten ausschließen, wenn diese sich nicht mit einem der neuartigen Corona-Impfstoffe behandeln lassen möchten und nicht bereit sind, sich einer stigmatisierenden Ideologie zu unterwerfen, nach derer sie sich „freitesten“ müssen, um nachzuweisen, dass sie keine Gefahr für andere sind. Eine solche staatliche Übergriffigkeit gegen mündige Bürger hat nichts mehr mit Gesundheitsschutz zu tun, sondern nur mit Angst vor Gesichtsverlust und davor zugeben zu müssen, dass man sich politisch verrannt hat.

Unter pädagogischen Gründen sehen wir insbesondere die Rolle von „nicht getesteten“ Eltern geschwächt, wenn deren Kinder miterleben, wie ihre Eltern als Angehörige einer Minderheit der Nichtgeimpften de facto systematisch und nachhaltig von der gesellschaftlichen Partizipation ausgeschlossen werden.

Wir halten diese Handlungsvorgabe und das Menschenbild, auf dem sie beruht, für ethisch und pädagogisch falsch und distanzieren uns davon. Wir werden diese Vorgaben umsetzen, weil wir rechtlich dazu gezwungen werden. Aber wir halten sie für einen gefährlichen Schritt in Richtung eines totalitären Staats, in dem Bürger- und Kinderrechte nur noch auf dem Papier stehen, der die Gesellschaft spaltet und die freiheitliche Zukunft unserer Kinder gefährdet.

Die meisten von uns sind aufgewachsen und erzogen worden im Geist der Präambel unseres Grundgesetzes, die sich in abgewandelter Form aus der US-Unabhängigkeitserklärung ableitet – nämlich: Jedem Menschen wohnen als Ebenbild Gottes Würde und Wert inne, die ihm unveräußerliche Rechte verleihen, die er sich nicht verdienen muss und die ihm auch nicht genommen werden können. Leider erleben wir seit anderthalb Jahren, wie in Zeiten von Angst und Hysterie manch sicher geglaubte menschliche Grundüberzeugung ins Wanken geraten ist.

Es erfüllt uns mit Trauer und Scham, dass in Verordnungsform gegossene staatliche Maßnahmen uns Kitas zu den Hilfssheriffs einer Corona-Politik machen und uns zwingen, in unserer Elternschaft zwischen „Getesteten“ und „Ungetesteten“ zu selektieren. Was wird das nächste Kriterium sein? „2G“? „1G“? Hautfarbe? Religion? Blutgruppe? Wo soll das denn alles hinführen?

Wir wünschen uns sehr, dass die Gesellschaft sehr bald zurückfinden wird zu einem Miteinander, welches Unterschiede wieder mehr wertschätzt und als Stärke anerkennt und unseren Kindern ein Vorbild darin sein wird, zu inkludieren statt zu spalten. Wir wünschen uns sehr, dass wir alle bald wieder in unseren Mitmenschen zuvorderst nicht Virenschleudern und wahlweise den Mitläufer oder Außenseiter sehen, sondern das menschliche Antlitz eines Gottes der Liebe und Freiheit.

 

Joel Mertens

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